Sächsische Zeitung vom 07.10.2010
Entschuldigung für Kriegsspiele
Die Interessengemeinschaft Bahnbetriebswerk Altstadt in der Zwickauer Straße bittet um Entschuldigung für den Eklat bei ihrem Eisenbahnfest am vergangenen Wochenende. Sie hatte die Militärtechnik-Freunde Sachsen eingeladen, die in Wehrmachtsuniformen auftraten und eine getarnte Geschützstellung aufbauten. Für das Eisenbahnmuseum erklärte jetzt der Vizevorsitzende Claus Rost: „Wir bedauern sehr, dass wir damit die Gefühle einiger Besucher verletzt haben, und möchten uns in aller Form dafür entschuldigen. Wir als Verein distanzieren uns von jeglicher Kriegsspielerei und Politisierung." Für den 1.Advent werden zugleich alle Eisenbahnfreunde zu einem kostenlosen Besuch eingeladen.
öse
**************************************************
Sächsische Zeitung vom 04.10.2010
Kriegsspiele in Wehrmachtsuniformen sorgen für Eklat beim Eisenbahnfest
Die Eisenbahnfreunde holten sich Waffennarren zum Saisonabschluss und ernteten heftige Kritik.
Von Stefan Rössel ROOESSEL.STEFAN@DD-V.DE
Eine Geschützstellung mit Tarnnetz, Schilder; die vor Minen warnen, Militärmotorräder, Kriegsgerät und Männer in Wehrmachtsuniformen:
Diese Szenen haben am Wochenende beim Saisonabschlußfest der Eisenbahnfreunde irn Bahnbetriebswerk für Entsetzen bei Besuchern gesorgt. Viele arglose Eisenbahnfreunde zeigten sich von dem Eklat auf dem Fest befremdet, einige von ihnen alarmierten die SZ. "Es ist absurd, was einem dort zugemutet wird. Wir sind mit unseren Kindern sofort gegangen", sagte ein Besucher. Es sind die Militärtechnik-Freunde Sachsen; die der Veranstaltung diesen umstrittenen Stempel aufdrückten. Das ist nach eigener Darstellung ein loser Zusammenschluss von Enthusiasten der Kriegstechnik. die. vor allem Fahrzeuge - Motorräder, Autos, Panzer - wieder funktionsfähig machen. Die Interessengemeinschaft Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt hatte die Waffennarren als Gäste für die Schau zum Saisonabschluss in die Halle 1 des Werkes an der Zwickauer Straße eingeladen. Das geschah auf Initiative einiger Vereinsmitglieder. berichtete der Vorsitzende Jörg Baumgärtel. So etwas müsse in Zukunft wohl ganz anders gestaltet werden. Besonders drastisch sei der Auftritt geworden, weil die Gäste sich im passenden Umfeld präsentieren wollten. Henry Höpner, Ansprechpartner der Militärtechnik-Freunde, betonte, es gehe ihnen nur um die Technik. Manch einen Besucher sei eben begeistert, wenn er noch einmal den Ton eines alten Zündapp-Motorrads hören könne. Die Vereinigung distanziere sich von jeglicher Glorifizierung von Krieg und lehne jede Politisierung ab, heißt es auf einem Prospekt. Das wurde der SZ noch anders berichtet. Es habe sogar ein Schild ge geben mit ungefähr der Aufschrift "Deutsches Reich, bitte rechts halten" , sagte ein Leser. Solche und weitere Parolen waren schon entfernt, als die SZ vor Ort kam. Die Polizei zeigte sich gestern von dem Eklat nicht betroffen. Einem Hinweisgeber habe sie lediglich beschieden, dass die Veranstaltung angemeldet sei. Das Verkehrsmuseum. das in Halle 4 gleichzeitig Saisonabschluss feierte, war von dem Auftritt nicht betroffen. Offiziell wollte Kustos Thomas Giesel keine Stellung zu dem Vorgang nehmen. Aber er vermittelte jedenfalls Gesprächspartner bei den Eisenbahnern.
Wir als Eisenbahnmuseum verlangen
auf Grund des sehr emotional geschriebenen Artikels von Ihnen die Veröffentlichung unserer Darstellung.
Richtigstellung zum Eisenbahnfest.
Zu unseren Saisonabschluss haben wir Technikfreunde militärhistorischer Fahrzeuge eingeladen. Dabei wollten wir unseren Besuchern alte Technik zeigen.
Wir bedauern sehr, dass wir damit die Gefühle einiger Besucher verletzt haben, und möchten uns an dieser Stelle in aller Form dafür entschuldigen. Wir als Verein distanzieren uns von jeglicher Kriegsspielerei und Politisierung.
Als Eisenbahnmuseum möchten wir auch in Zukunft unseren Besuchern zu unserer ständigen Ausstellung ein ansprechendes Rahmenprogramm bieten, und werden dabei verstärkt auf die Interessen und Wünsche unsere Gäste eingehen.
Wir laden alle Freunde der Eisenbahn und unseres Museums am 1. Advent zu einem eintrittsfreien Besuch ein.
Mit freundlichen Grüßen,
Ihr Eisenbahnmuseum Dresden
**************************************************
Stiftung BSW Bahn & Modell
Fachblatt des Bereiches Eisenbahnerbe / Modelleisenbahn Nr.23 / April 2010
Helga Kuhne, Dresden
Der Mann mit den Goldenen Händen - Manfred Mentzel
Wenn es in der „IG BW Dresden-Altstadt – Eisenbahnmuseum“ nicht solche passionierten Bastler wie Manfred Menzel gäbe, sähe es um das historische Erbe der Bahn ziemlich düster aus. Darüber sind sich die Hobbyeisenbahner, die ihn kennen, einig. Jörg Baumgärtel, Leiter der 20-köpfigen Gruppe, schätzt ihn als einen seiner wichtigsten und routiniertesten Mitarbeiter. „Manfred ist unser Spezialist für das Metall- handwerk. Er hat auf diesem Fachgebiet goldene Hände, und seine Befähigungen im Umgang mit der Brenn- und Schweißtechnik sind ei- ne unschätzbar wertvolle Hilfe in vielen Situationen. Seine Einsatzbe- reitschaft ist vorbildlich. Wir sind ihm dafür sehr dankbar“.
Der Krietzschwitzer ( kleiner Ort zwischen Pirna und Königstein / Sächsische Schweiz) entdeckte 1999 sein heutiges Betätigungsfeld, weil ihn seine Tochter Sabine, Teamchefin im DB Fernverkehr, eines Tages sagte: „Im ehemaligen Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt gibt es einen Traditionsverein. Die Mitglieder betreuen Dampflokomotiven, die unterhalten werden müssen. Dort könntest du sicher mitmachen, nach Herzens- lust bohren und Schweißen und immer deine Lieblinge sehen.“
Sie wusste, warum sie das sagte. Ihr Vater war seit 1995 im Ruhestand. Drei Jahre später starb ihre Mutter, sei- ne Frau. Nun war er wirklich wie abgeschnitten vom pulsierenden Leben in seinem unter Denkmalschutz stehenden Vierseitenhof in Krietzschwitz. Zwar hat er dort viel Arbeit und auch eine eigene und zweckmäßig aus- gestattete Werkstatt, trotzdem fehlte ihm etwas. Und so kam der Hinweis zur rechten Zeit. „Mir ging es beim Mit- wirken im Verein eigentlich darum, wieder in der Nähe von Dampflokomotiven zu kommen“, erläutert er sein Motiv.
An einem Sonnabend Anfang Januar 2010 besuche ich ihn im Eisen- bahnmuseum ( ehemals Lokschuppen 1 des Bw Dresden-Altstadt ) an der Zwickauer Straße. Der 71-jährige steht an einer Maschine und bohrt ein Loch in ein Blechteil. „Das Teil wird verwendet für eine Vor- richtung zum beschädigungsfreien Zusammenbau von Druck- und Saugventilen der Mischvorwärmer-Kolbenpumpen auch bei der BR 52.80“, erfahre ich so von ihm. Später sitzen wir im Aufenthaltsraum. Dort zeigt er mir ein 50 Jahre altes Foto der Lokomotive 38 1966 in Krippen ( Strecke Dresden-Schöna ) und ihn als Heizer am Aufgang der Lok. Liebevoll blickt er auf das Bild und erklärt: „Die Eisenbahn ist mein Leben lang mein Virus. Davon komme ich nicht los. Das begann schon in meiner jüngsten Kindheit. Mein Großvater wohnte vor dem Zweiten Weltkrieg hier ganz in der Nähe in einem Wohnhaus auf der Zwickauer Straße im ersten Stock. Ich erinnere mich ganz genau an den Ausblick auf das Schiebebühnenfeld des Bahnbetriebs- werkes. Gebannt stand ich am Fenster, wenn sich unten auf den Gleisen etwas bewegte. Ich war schon als Kind fanatisch nach Lokomotiven. Ich wollte unbedingt Dampflokführer werden.“
Ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geboren, wuchs er ohne Vater auf. Der war im Krieg geblieben. Als der Junge 14 Jahre alt war, begann 1952 folgerichtig seine Lehre in der Lehrwerkstatt des Bw Pirna als Maschinenschlosser, eine Voraussetzung, um Lokführer zu werden. Ausgelernt allerdings hatte er im VEB Drehmaschinenwerk in Berggießhübel. Die Deutsche Reichsbahn begann zu reorganisieren, die Lehrwerkstatt bei der Bahn schloss für ihn zu früh. Aber etwas Wichtiges versöhnte ihn: Ihm war nach erfolgreichem Lehrabschluss die Übernahme bei der Deutschen Reichsbahn versprochen worden. So begann 1955 seine berufliche Laufbahn in einer Putzerbrigade im Bw Pirna. „Drei Monate arbeitete ich dort gemeinsam mit Frauen und einem älteren Herren“. Im Anschluss wurde er auf dem Kohlenboden des Bw eingesetzt. Und die Reorganisation ging weiter. Seine Arbeits- kraft wurde in Pirna überzählig. Er ging als Schlosser zum VEB Papierfabrik nach Königstein ( Sächs. Schweiz ).
Der Wunsch, Dampflokführer zu werden, war ungebrochen. Seine Mutter, die im Reichbahnferienobjekt Rosenthal in der Sächsischen Schwei beschäftigt war, vermittelte. Er wurde deswegen eines Tages im Novem- ber 1955 zur Rbd Dresden in die Verwaltung Maschinenwirtschaft bestellt. Aber umsonst. Die im Umkreis befind- lichen Bahnbetriebswerke waren alle mit Heizern und Lokomotivführer-Anwertern bereits überbesetzt. Im zweiten Anlauf jedoch klappte es im Bw Bad Schandau. Der Personalchef ( Kaderleiter ) vom Bw Bad Schandau muss ihm wie ein Gott vorgekommen sein: „Sie können zunächst auf dem Kanal als Ausschlacker beginnen. Wir wer- den Sie dann als Drehscheibenwärter und Schuppenheizer einsetzen. Und danach dürfen Sie als dritter Mann auf einer Lokomotive mitfahren, als Lokheizer. Noch heute, nach über 50 Jahren, leuchten seine Augen, wenn er sich dieser Zeit erinnert, in der er als Lokomotivheizer auf sächsischen Strecken unterwegs war. „Dabei gab es nur Braunkohlenbriketts zu verfeuern, minderwertiges Heizmaterial. Die Kohle zerfiel schon, bevor sie auf den Rost kam. Um den erforderlichen Dampfdruck zu bekommen, musste Schwerstarbeit geleistet werden. Bei den Loks die von Langläufen kamen, stand oft die Schlacke in Höhe „Unterkante Feuertür“, so Manfred Menzel. Also nach dem Fahren musste auch noch eine Riesenmenge ausgeschlackt werden.
Und trotzdem: Seine Lokheizertätigkeit auf den Strecken der näheren Umgebung war wohl die schönste Arbeits- zeit bei der Bahn. Wenn er nicht fuhr, setzte man ihn im Bw auf der Drehscheibe als Wärter oder in der Werkstatt als Dreher ein. Er schnitt Gewinde, drehte Bolzen nach und bearbeitete alle Verschleißteile, die ihm übergeben wurden.
„Nachdem ich ein halbes Jahr in der Werkstatt gearbeitet hatte, kündete sich der Traktionswechsel an“, erinnert sich Manfred Menzel. „Die erste Diesellokomotive war bereits im Bw Dresden-Pieschen eingetroffen. Wir bilden nun keine Dampflokführer mehr aus, hieß es bald aus der Verwaltung.“
1960 waren bei der Deutschen Reichsbahn die „Zentrale Oberbauer- neuerung“ und ein „Jugendaufgebot“ ins Leben gerufen worden. Die Verwaltung Anlagen suchte Arbeitskräfte. Jetzt hieß es: „Wenn du Lok- führer werden willst, dann gehe erst mal zur Oberbauerneuerung.“ So kam er nach Radebeul zur Gleisbaumechanik, einem Betrieb, der di- rekt der Reichsbahndirektion unterstellt war und hohe Priorität in der DDR besaß. In deren Werkstatt arbeitete er nun als Dreher, Fräser und Motorenschlosser. Die ersten Gleisstopfmaschinen trafen ein, die neue Technik mit Hydraulik musste fortan nun auch von ihm gemeistert werden.
Als man im Bw Dresden-Friedrichstadt Facharbeiter für die Diesellok-Unterhaltung suchte, wurde er von seiner Dienststelle zur sozialis- tischen Hilfe delegiert. Er kam wieder in die Nähe von Lokomotiven und war nun mit für die Unterhaltung der Diesellokomotiven V 60 und V 180 zuständig. Aus dem vereinbarten halben Jahr der Abordnung wurde ein ganzes Jahr. In dieser Zeit lernte er den Aufbau der Diesellokomotiven gründlich kennen. Dann reif ihn die Nationale Volksarmee nach Leipzig. Und wieder hatte er Glück. Er kam in eine Kfz-Werkstatt, konnte wieder „werkeln“.
Zurück in seiner Heimatdienststelle in der Gleisbaumechanik Radebeul, standen Lehrgänge für den Erwerb des Führerscheines für schwere Nebenfahrzeuge und für Eisenbahnkrane auf der Tagesordnung. In einem weiteren Lehrgang qualifizierte er sich zum Spezialreparaturschlosser. Die teuere von Plasser & Theurer war für wertvolle Devisen eingekauft worden und stand schon „auf dem Hof“. Später erwarb er den Schweißerlaubnisschein und wandte ihn in der Praxis an. So vergingen die Jahre. Der Wunsch, Lokführer zu werden, war in andere Bahnen gelenkt worden. Und eigentlich hatte ja der Traktionswechsel Dampf/Diesel seine Träume platzen lasen.
Der allseitige Handwerker engagierte sich fortan in seinem Betrieb im Brandschutz, wurde ehrenamtlich Wehr- leiter im Wohnort und reiste durch das Sachsenland von Döbeln bis nach Plauen im Vogtland. In der Funktion als Brandschutzverantwortlicher war er direkt dem Chef unterstellt und weisungsberechtigt. Scherzhaft sagt er: „In meiner Zeit als Brandschutzverantwortlicher ist kein einziger Lokschuppen, kein Wohnwagen abgebrannt.“ Er prüfte und kontrollierte auch, wie sich die technischen Dienststellen auf den Winter vorbereitetet hatten.
Anfang 1980 wurde er bei der Gleisbaumechanik als Brigadier, ab Dezember 1982 als Meistervertreter einge- setzt und hatte nun zwölf Schlosser anzuleiten. Er war nun auf dem Höhepunkt seines Berufslebens, seine Erfahrungen, sein Wissen rund um seinen Metallberuf war gefragt. Als 1989 in Berlin die Mauer fiel, qualifizierte er sich gerade weiter. Er saß in einem Plastschweißer-Lehrgang. Zwar war es nur ein Wiederholungslehrgang, aber der zielstrebige Mann legte immer Wert, auf dem Laufenden zu ein.
Seine letzten Arbeitsjahre bei der Bahn waren eng mit der allgemeinen Abwicklung verbunden. Bis 1993 war er im Bw Pirna, wo sein Berufsleben begann, als Gruppenführer für die Werterhaltung der technischen Anlagen mitverantwortlich. Dann schloss die Außenstelle Pirna des Bw Dresden-Friedrichstadt für immer ihre Lokschup- pentore. Seine Arbeitskraft, wie die so vieler anderer Berufskollegen, wurde nicht mehr gebraucht. Man legte ihm nahe, in den Ruhestand zugehen.
Rückblickend sind zwar die Lokomotiven seine große Leidenschaft, aber er hat noch mindestens eine weitere. 30 Jahre lang war der Tanzboden seine zweite Heimat. Er spielte in mehreren Bands als Schlagzeuger und hat sich autodidaktisch das Saxophonspielen angeeignet. Vielleicht gibt es ja mal eine Überraschung und ich werde zu einem solchen „Konzert“ eingeladen. Möglich ist das schon. Denn, ich erinnere mich an die ersten Jahre des neuen Jahrtausends anlässlich eines Dresdner Dampflokfestes. Der Lokschuppen mit seinen Dampfrössern war Kulisse geworden und beschwingte Klänge der Munich Railroad Jazzband lagen in der Luft. Das waren wirklich Zeiten…
**************************************************
Sächsiche Zeitung vom 29.03.2010
Zitat....
Süchtig nach Ruß, Stahl und Dampf
Ulf Neumann war gestern ein gefragter Mann. Der 48-jährige Dresdner stand im Führerstand der legendären Schnellzuglok 010509 mit Ölfeuerung, die Besucher beim Dresdner Dampfloktreffen an der Zwickauer Straße am Wochenende dicht umringten. Mit dieser Veranstaltung lässt die Interessengemeinschaft Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt in den alten Gemäuern seit 2009 die Tradition der Dampflokfeste wieder aufleben.
Der 1935 gebaute Star dieser Schau ist in Meiningen gerade auf Herz und Nieren geprüft worden. Neumann, der im Hauptberuf Einsatzplaner bei der Deutschen Bahn Regio ist, engagiert sich im Verein Pressnitztalbahn Jöhstadt. Der gleichnamigen Bahngesellschaft gehört die Schnellzuglok. Einmal Dampflok, immer Dampflok. „Das ist wie eine Sucht“, sagt Neumann. Von 1981 bis 94 war er als Lokführer auf der Weißeritztalbahn unterwegs, bevor es ihn in die Einsatzplanung verschlug.
Nun lebt der Dresdner an Wochenenden seine Liebe zur historischen Eisenbahntechnik aus. Auch wenn er deshalb mitunter morgens in aller Herrgottsfrühe aus den Federn muss wie gestern. Schon um sechs stand Neumann im Lokschuppen, ölte die Gleitlager der gewaltigen, zwei Meter hohen Räder sowie die Antriebsgestänge der 01. Zudem habe er noch einmal geprüft, ob alle Schrauben fest sitzen, und Wasser sowie Heizöl aufgefüllt. Nach knapp drei Stunden war das geschafft. Rechtzeitig, bevor die Besucher kamen. Die drängten sich dermaßen vorm Eingang, dass in Spitzenzeiten die lange Schlange kaum noch abriss. Die Eisenbahnfreunde konnten letztlich sogar in Ulf Neumanns Führerstand klettern. Oder auch mitfahren, so am Sonnabend. Da dampfte das Stahlross mit seinen 2240 Pferdestärken nach Radeberg. Das war nicht nur ein Höhepunkt des Dampfloktreffens, sondern auch der Dresdner Tage der Industriekultur. In Klotzsche ging es dann zügig den Berg hoch, alles flutschte. „Solche Momente entschädigen für die ganze Mühe“, sagt Freizeit-Lokführer Neumann.
Andreas Matschke war einer der vielen Besucher. Der Eisenbahnfreund ist extra aus dem bayrischen Freising angereist. „Das ist die Attraktion“, zeigte er sich von Neumanns 01-Lok begeistert. Nicht nur er weiß die ehrenamtliche Arbeit der Dresdner Interessengemeinschaft zu schätzen.
Kamen 2009 noch 8500 Besucher zum ersten Dampfloktreffen, so waren es am Wochenende über 10000. „Wir sind vor allem sehr dankbar, dass uns das Netzwerk Dresdner Industriekultur unterstützt“, sagt Vereinsvorsitzender Jörg Baumgärtel. „Sonst hätten wir als kleiner Verein das Treffen überhaupt nicht stemmen können.“
**************************************************
Freie Presse / Glauchauer Zeitung 02.02.2010
Meeraner führen Regie für Kinoauftritt der Museums-Lok
Zitat....
Leinwandabenteuer „Ein russischer Sommer“ bringt Wiedersehen mit Gefährt – MTEG kümmert sich um Route und Betriebssicherheit
Meerane. Der Film „Ein russischer Sommer“ erzählt im Kino die Geschichte der letzten Lebenstage des russischen Schriftstellers Leo Tolstoi. Nicht nur Fans der Weltstars Hellen Mirren und Christopher Plummer haben sich auf den Streifen, der seit wenigen Tagen zu sehen ist, gefreut – sondern auch Eisenbahnliebhaber der Region. Schließlich können sie im Film noch einmal die Museums - Lokomotive 89 6009 in Aktion erleben.
Schon seit Jahrzehnten wird das legendäre Fahrzeug von den ehrenamtlichen Enthusiasten der Interessengemeinschaft Bahnbetriebs- werk Dresden-Altstadt betreut. Doch wenn die mehr 100 Jahre alte Maschine auf Reisen geht, dann kümmern sich die Fachleute von der Muldental-Eisenbahnverkehrsgesellschaft (MTEG) mit Sitz in Meerane um die Route und alle Fragen der Betriebssicherheit. Dazu gehören nicht nur Sonderzugfahrten und Ausstellungen – sondern auch Filmaufnahmen. „Zu den Dreharbeiten für das Kriegsdrama "Die Gustloff" wurde die kleine Dampflokomotive auf einem Tieflader nach Stralsund gebracht. Doch zu den Aufnahmen für "Ein russischer Sommer" konnte die Maschine noch aus eigener Kraft fahren“, sagt MTEG-Geschäftsführer Jan Kuniß.
Grund war, dass der Film über den alten Tolstoi nicht in Russland entstand. Vielmehr wurden die Außenaufnahmen schon im Frühsommer 2008 auf den Gleisen der Deutschen Regionaleisenbahn GmbH rund um den Bahnhof Pretzsch bei Wittenberg in Sachsen-Anhalt gedreht. Danach lockte die Filmkulisse noch bis zum Herbst 2008 viele Kino- und Bahnfans in die Weiten der nördlichen Dübener Heide. Doch in der Museums-Lokomotive 89 6009 ging im August 2008 das Feuer aus, weil die Alterserscheinungen am Kessel zu groß geworden waren. Seither bitten die Enthusiasten aus Dresden um Spenden, damit sie die notwendigen Restaurierungen an der kleinen Dampflokomotive – die von den Fans liebevoll Dreirad genannt wird – zu Ende führen können.
von Jörg Höbald
**************************************************
Nonstop Drewag-Kundenmagazin 3/07
MIT VOLLDAMPF VORAUS
Zitat.....
Auch Stahlrösser wollen gepflegt sein
Liebhaber alter Eisenbahnen gibt es viele in Deutschland. Die meisten beschränken ihr Hobby jedoch auf die Beschäftigung mit Modellen der Dampfrösser. Nicht so die Mitglieder des 1999 gegründeten IG Bw Dresden-Altstadt e.V.: Der Verein hat mit Hilfe des DB-Museums Nürnberg und des Dresdner Verkehrsmuseums einige orginale Loks und die zu ihrem Betrieb notwendige Technik erhalten und wieder aufgebaut. Ehemalige und aktive Bahnmitarbeiter, aber auch Entusiasten aus anderen Berufsgruppen betreiben darüber hinaus das "Eisenbahnmuseum Bw Dresden-Altstadt", das in der Sommersaison jeden 1. und 3. Sonnabend im Monat von 10 bis 16Uhr geöffnet hat.
Die Aufgabe, die der kleine Verein schultert, ist gigantisch. Seit dem sich die Deutsche Bahn im Oktober 2005 finanziell aus dem Projekt zurückgezogen hat, muss der Verein allein die etwa 1400 Euro monatlichen Kosten für Miete und Energie aufbringen.
In ihrer Freizeit reparieren und warten die knapp 30 aktiven Mitglieder die historischen Lok, Gebäude und technischen Einrichtungen. Das älteste Fahrzeug, die Dampflok 89 6009, stammt aus dem Jahr 1902. Die dieselelektrische Lokomotive 130 002-9, 1970 in der UdSSR hergestellt, war noch bis 1994 in Betrieb.
Bei Ausfahrten oder der Nachtfotoparade können Interessierte die Stahlrösser in Aktion erleben- wer will, sogar vom Führerstand aus. Um solch ein tonnenschweres Gefährt zu lenken, bedarf es einiger Kenntnisse. Mehrere Vereinsmitglieder besitzen eine Fahrberechtigung. Um diese zu behalten, müssen sie regelmäßig an Lehrgängen teilnehmen und sich selbst von einem Bahnarzt untersuchen lassen. Die Kosten dafür erwirtschaftet der Verein selbst. Damit auch Laien einen Einblick erhalten, bieten Bahnwerker Lehrgänge für Ehrenlokführer an - der Traum eines jeden Eisenbahnfans. Auf Anfrage arrangiert der Verein Sonderfahrten; der Museumslokschuppen und das stilechte eingerichtete Vereinsbistro "Rast am Bahnsteig 3" können für kulturelle Veranstaltungen gemietet werden.
Neben all den Orginalen wird neuerdings auch ein Modell aus Dauerleihgabe des Verkehrsmuseums Dresden im Lokschuppen präsentiert. Die Nachbildung der meistgebauten Personenzuglok P8 entstand bereits vor dem Krieg und stand viele Jahre in der Kantine des Bahnbetriebswerkes Friedrichstadt. "Wir haben das Modell erstmalig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht", erklärte Vereinsvorsitzender Jörg Baumgärtel. Er und seine Mitstreiter hoffen, mit Unterstützung durch zahlreiche Museumsbesucher, auch in Zukunft ein Stück Technikgeschichte erhalten zu können. Näheres unter www.igbwdresdenaltstadt.de
Ullrich Bemmann
**************************************************
Mitgliederjornal der EWG Dresden e.G. 1/07
Zitat.....
NACHBARN- Geschichte zum Anfassen
Das Eisenbahnmuseum in der Nachbarschaft
Ganz in der Nähe der Nossener Brücke hat sich ein Verein niedergelassen, der mit unermüdlichen Enthusiasmus um die Erhaltung und Pflege zahlreicher historischer Lokomotiven bemüht: die Interessengemeinschaft Bw Dresden-Altstadt e.V. Der über 60 Mitglieder zählende Verein hat seit seiner Gründung 1999 die Erhaltung des ehemaligen Bahnbetriebswerkes und seiner Museumsfahrzeuge zum Ziel.
Unser Verein ist direkt im ehemaligen Bahnbetriebswerk untergebracht. Der erste Lokschuppen auf dem heutigen Museumsgelände wurde bereits 1872 errichtet. Das Bw wurde ständig erweitert und erlebte 1893/1894 den großen Aufschwung im Zuge der damaligen Erneuerung der Dresdner Bahnanlagen. In den 30er Jahren waren hier bis zu 120 Dampfloks in vier Lokschuppen stationiert.
Bis 1977 beheimatete das Heizhaus die Dampflokomotiven für den Schnellzug-Verkehr auf der Strecke Dresden-Berlin, zuletzt die BR 01 im Orginalzustand. 1994 schloß die DB das Bahnbetriebswerk. Seit dem Ende des Planbetriebes mit Dampfloks sind ein Teil der Museumsfahrzeuge des Verkehrsmuseums Dresden und der Deutschen Reichsbahn untergestellt. Die Ausstellung wird zeitweise durch verschiedene Leihfahrzeuge vom Verkehrsmuseum Dresden und anderer Vereine bereichert; u. a. mit der BR 19 017, dem "Sachsenstolz". All diese Ausstellungsstücke wurden von der BSW Freizeitgruppe "Dresdner Dampflokomotiven" und jetzt durch die Interessengemeinschaft Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt e.V. in mühevoller Kleinarbeit gepflegt, um diese einmaligen Orginale der Nachwelt zu erhalten. Als lebendiger Verein wollen wir nicht nur kalten Museumsbetrieb, bei uns sollen die Leute dem Lokführer über die Schulter schauen können. Bewahren, Erinnern, Vermitteln: Eisenbahn zum Anfassen.
Zum Beispiel finden bei Events und Sonderveranstaltungen Führerstandsmitfahrten auf Dampf- und Diesellokomotiven statt.
Schwierigkeiten bereiten bei alldem die hohen Kosten, da wir uns als Verein aus Vereinsbeiträgen, Museumsbetrieb und Veranstaltungen finanzieren müssen. So sind wir stets um Sponsoren und Spenden bemüht; die zum Erhalt und dem Ausbau des Dresdner Eisenbahnmuseums beitragen können.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
Der Eingang zum Ausstellungsgelände ist nur von der Bus-Hst. Nossener Brücke stadteinwärts am kleinen Treppenabgang möglich.
Kein Zugang von der Zwickauer Str.!
Alfred Hobl
**************************************************
Sächsiche Zeitung / SZ Plus-Beilage 26.04.07
Zitat:
MUSEUMS- BAHNEN
Legendäre Loks fahren zum Saisonstart
Zur Saisoneröffnung im Bahnbetriebswerk Dresden-Altstadt ist es mal wieder an der Zeit, alte Bekannte wiederzusehen, auf der Drehscheibe abzulichten und sich von ihnen zum Hauptbahnhof und zurück befördern zu lassen.
Schließlich dreht sich an dem Tag alles um die hauseigene Dampf- und D-Loks, die einst rund um Dresden im Einsatz waren- darunter die majestätische Sachsenstolz oder die V240 001, die dem Verkehrsmuseum gehört. Mit Souvenirverkauf, Imbissständen und einem Kinderdampfmodelltraktor knüpft die Interessengemeinschaft an die Tradition des Dampflokfestes an.
**************************************************
Dresdner Morgenpost / Magazin Freizeit 26.04.07
Zitat:
JETZT WIRD`S HÖCHSTE EISENBAHN
Mit Volldampf voraus! Da strahlen Torsten Döring (v.) und Jörg Baumgärtel: Am Wochenende feiern die über 60 Mitglieder der IG Bahnbetriebswerk Dresden Altstadt e.V. Saisoneröffnung. Dazu laden sie an beiden Tagen von 10-17Uhr an den Standort Zwickauer Str. 86 ein. Dort sind etliche Gastloks zur Fahrzeugparade vor Ort, außerdem werden Pendelzugfahrten zum Hauptbahnhof angeboten. Näheres auch unter.......
**************************************************
Dresdner Neuste Nachrichten 13.04.07 (S.15)
Eisenbahnmuseum macht Dampf
Saison startet Ende April an der Nossener Brücke/Verein will Superdampflok 01 wieder auf Tour schicken
Von PETER WECKBRODT
Zitat:
Am 28. und 29. April öffnet das Eisenbahnmuseum im früheren Bahnbetriebswerk Altstadt erstmals in diesem Jahr seine großen Hallentore. Schon von der Nossener Brücke aus wird sich dem Besucher ein eindrucksvoller Blick auf die Parade der oft mehr als 100 Jahre alten Dampflokomotiven bieten. Gastgeber ist der "Verein Interessengemeinschaft Bw Dresden-Altstadt", der das Museum unter schwierigen Bedingungen ehrenamtlich betreibt.
" Das Verkehrsmuseum Nürnberg der Bahn hat sich aus Kostengründen von seinem Standort Dresden getrennt. Deshalb steht unser Verein seit Oktober 2005 wirtschaftlich und finanziell in eigener Regie auf fremden Grund und Boden. Schwierigkeiten bereiten uns vor allem die hohen Kosten für Miete, Heizung und Wasser, die wir über Vereinsbeiträge, den Museumsbetreib, Veranstaltungen sowie über Spender und Sponsoren aufbringen müssen" stellt Vereins-Sprecher Alfred Hobl nüchtern fest. Der 63-jährige Lokführer im Ruhestand weiß wovon er spricht. " Wir hoffen auf eine große Publikumsresonanz bei unseren Veranstaltungen. Das kommen lohnt sich. Wir bieten Eisenbahn zum Anfassen und keinen kalten Museumsbetrieb. Der Besucher kann dem Lokführer bei der Arbeit über die Schulter schauen".
Eine Attraktion versprechen zum Saisonstart die halbstündlichen Pendelfahrten zwischen dem Hauptbahnhof und dem Museum. Dabei kommt die vereinseigene Schlepptenderlok 89 6009 mit zwei Wagen der Windbergbahn zum Einsatz. Für die kleinen Eisenbahnfans lädt eine Dampfgartenbahn zur Mitfahrt ein. Am internationalen Museumstag im Mai öffnet nebenan das Fahrzeugdepot des Verkehrsmuseums seine Tore. Und zur Dresdner Museumsnacht am 14. Juli gibt es eine Nachtfotoparade aller Lokomotiven auf der großen Drehscheibe. Zum Karl- May- Fest und zum Kleinbahnfest in Radebeul bietet der Verein Pendelzugfahrten mit historischen Fahrzeugen zwischen Dresden-Hbf und Radebeul-Ost an. Mit dem Saisonabschlußfest Ende September erinnert das Museum daran, dass die Deutsche Reichsbahn vor 30 Jahren den Planbetrieb mit Schnellzugdampflokomotiven der Baureihe 01 eingestellt hat. Der Verein hofft, an diesen Tagen noch einmal den historischen Städteschnellzug zwischen Berlin und Dresden auf die Reise schicken zu können.
**************************************************
Sächsische Zeitung 13.04.2007
Eisenbahnmuseum hat Geldsorgen
von Franziska Dähn
Zitat:
Die finanzelle Lage des Vereins ist schlecht. Die IG Bahnbetriebswerk wirbt um Spenden und Besucher.
**Südvorstadt West**
Dem Verein vom Eisenbahnmuseum, IG Bahnbetriebswerk Dresden Altstadt, geht langsam das Feuer im Kessel aus. So bildlich formulierte es der Verbandssprecher Alfred Hobel, als er gestern das neue Saisonprogramm vorstellte. Schwierigkeiten bereiten den Verein auf der Zwickauer Straße zum einen die Arbeiten der Deutschen Bahn (DB), die nebenan ein Fahrzeugwerk baut !"Damit sind Bahnparaden schwer möglich", sagte Hobel. Das Gelände gleicht einer Mondlandschaft.
Noch schwieriger sind die finanzellen Belastungen für die IG Bahnbetriebswerk: Im Oktober 2005 wurde der Verein aus Kostengründen aufgegeben. Seither sind die 60 Mitglieder juristisch und finanziel in Eigenregie tätig. Das Grundstückist Bundeseisenbahnvermögen. Damit sind hohe Miets-und Unterhaltskosten verbunden." Wir denken darüber hinaus schon an fällige Kesselrevision unserer Dampflok 89 6009, die im nächsten Jahr etwa 100000 Euro kosten wird", erklärte Vorsitzender Jörg Baumgärtel. Einnahmen hat der Verband nur aus Mitgliedsbeiträgen, dem Museumsbetrieb und durch Veranstaltungen. Hobel wirbt um Besucher für das Bahnbetriebswerk und um Spenden:" Wir haben hier sehr viel Werbefläche frei zur Präsentation."
Zudem könne Raum im besonderen Ambiente" für Konzerte und ähnliche Veranstaltungen gemietet werden. Sonderführungen seinen ebenfalls möglich.
"Unser Ziel ist, der Nachwelt ein Stück Bahngeschichte zu erhalten. Wir opfern uns ehrenamtlich dafür auf" sagte Hobel. Die 30 aktiven Vereinsmitglieder verpflichten sich zu 50 Arbeitstunden jährlich....



